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Corpus Medii Aevi

Rezeption und Transformation der Antike in der mittelalterlichen Kunst

 

Spinario Rom
Spinario, Rom, Konservatorenpalast

Das Corpus Medii Aevi widmet sich der bildkünstlerischen Rezeption und Transformation antiker Kunst im Mittelalter. Das Erbe der Antike war das gesamte Mittelalter hindurch ein wichtiger Referenzrahmen, doch anders als in der Renaissance war der Umgang mit den antiken Formen ein gänzlich anderer. Im Gegensatz zu den Dokumenten, die der Census of Antique Works of Art and Architecture Known in the Renaissance für die Renaissance verzeichnet, weisen die mittelalterlichen Beispiele des Corpus Medii Aevi oftmals sehr freie Bezüge zu ihren Vorbildern auf. Zahlreiche Beispiele von Antikentransformation im Mittelalter lassen sich in der Skulptur, vor allem in der Bauskulptur, beobachten. Die Faszination und Vorbildhaftigkeit antiker Skulptur wird etwa durch das Schaffen der Bildhauer des 11. und 12. Jahrhunderts in Spanien und Frankreich eindrücklich belegt. Insbesondere römische Sarkophage mit figürlichen Reliefs, die durch ihre Wiederverwendung überdauert haben und in Kirchen oder Klöstern sichtbar waren, wurden als Ideengeber genutzt und bereicherten die mittelalterliche Bildfindung.

Magdeburg
Dornauszieher, Magdeburger Dom,
Grabplatte für Friedrich von Wettin

Der sog. Spinario, die 73 cm hohe Bronzestatue eines sitzenden Jünglings, der sich einen Dorn aus dem Fuß zieht, war wohl seit der Antike durchgängig bekannt und erfreute sich als Motiv im Mittelalter größter Beliebtheit. Erstmals wird die antike Figur, die heute im Konservatorenpalast in Rom ausgestellt ist, in Quellen des 12. Jahrhunderts genannt. Benjamin von Tudela, der als Antikenliebhaber die Monumente Roms beschrieb, sah den Dornauszieher, den er als Absalom identifizierte, vor dem Lateranpalast. Wenig später bezeichnete Magister Gregorius die Statue in seiner Schrift „Über Wunderdinge der Stadt Rom“ [De mirabilibus urbis Romae] als „höchst lächerliches Standbild, das man Priapus nennt“ [… eneum simulacrum ualde ridiculosum quod Pria(pum) dicunt …]. Als Sinnbild des Heidentums vollzog diese Figur einen Siegeszug durch die mittelalterliche Skulptur und Buchmalerei. Auch der etwa 10 cm kleine Dornauszieher am Grabmal von Friedrich von Wettin im Magdeburger Dom findet in dieser Funktion seine Verwendung.

Mit den Dokumenten des Corpus Medii Aevi und des Corpus Winckelmann erweitert sich die zeitliche Spanne der Census-Datenbank vom Mittelalter über die Renaissance bis ins 18. Jahrhundert. Sie bietet damit die Möglichkeit, die Antikenrezeption mehrerer Epochen in ihrer Gesamtheit zu erfassen und zu recherchieren. Gleichzeitig können die Daten der einzelnen Projekte auch weiterhin getrennt angezeigt und durchsucht werden.

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Das Corpus Medii Aevi ist ein Projekt des Adolph-Goldschmidt-Zentrums zur Erforschung der romanischen Skulptur. Dieses versteht sich als Forum für die wissenschaftliche Erforschung der Skulptur des 11. und 12. Jahrhunderts und verweist mit dem Namen Goldschmidt auf einen herausragenden Mediävisten der deutschen Kunstgeschichte. Das zu Jahresbeginn 2007 am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin gegründete Zentrum knüpft an Goldschmidts Berliner Ordinariat in den Jahren von 1912-1929 an und will versuchen, die durch ihn verkörperte Tradition der Mittelalterforschung, die in den Jahren nationalsozialistischer Herrschaft empfindlich beeinträchtigt wurde, fortzusetzen.

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