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Edificazione

Census Volltext | Census Datenbankeintrag

Einführung

Diese Inkunabel (Venedig: Antonio di Alessandria della Paglia 1480) ist eine frühe Redaktion eines Rom-Führers, die sich einerseits stark an die Tradition der Mirabilia-Texte und der descriptio urbis anlehnt, andererseits aber auch Eigenständigkeiten aufweist. Der Text hat einen selbständigen Aufbau, eine autonome Stilistik und Besonderheiten in der Interpretation von Mythen, Legenden und historischen Ereignissen.

Der Verfasser ist vermutlich ein Geistlicher, der dem Markgrafen von Ancona, Giovanni Visconti da Ollegio (ca. 1304 - 1366), nahe stand. Wie der Autor selbst erklärt, habe er den Führer für einen Rom-Besuch dessen Gattin Antonia degli Benzoni erarbeitet. Nach Ludwig Schudt handelt es sich hierbei um eine Kompilation dreier Werke: Der Autor übersetzte und überarbeitete die Graphia auerae urbis Romae, die eigentlichen Mirabilia Romae und die Descriptio plenaria.

Die Abhandlung ist jedoch von einer persönlichen Note geprägt. Der Autor tritt als Ich-Erzähler auf und begleitet den Leser auf seinem imaginären Weg durch das alte Rom. Individualität verleihen der Erzählung sowohl die zuweilen auftretenden emotionalen Einschätzungen von historischen Geschehnissen, Monumenten, Personen und Gottheiten als auch Zitate aus den Werken lateinischer Autoren.

Der Autor übernimmt an einigen Stellen die systematische Katalogisierung von Monumenten, die in seinen Vorlagen vorhanden sind. Bei ihm treten jedoch individuelle Ungenauigkeiten in den Monumentenbezeichnungen und Quellenzitaten von klassischen und mittelalterlichen Autoren auf. Fiktives und Reales ist eng miteinander verflochten.

Der vorliegenden Volltextausgabe liegt die einzige erhaltene Inkunabel aus der British Library zugrunde. Die Edition richtet sich nach den allgemeinen Regeln einer diplomatischen Ausgabe eines Renaissance-Autors. Bei der Edition wurde versucht, den Text möglichst zu erhalten, damit die Besonderheiten des italiano volgare in der Anfangsphase der Entstehung des schriftlichen Italienischen zur Geltung kommen.

Literaturliste:

  1. Gesamtkatalog der Wiegendrucke, hrsg. von der Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Band VII, Nr. 9240. Leipzig [u.a.] 1968.
  2. Five Early Guides to Rome and Florence, with an introduction by Peter Murray. Heppenheim 1972.
  3. Schudt, Ludwig (Ed.): Le guide di Roma: Materialien zu einer Geschichte der römischen Topographie. Wien - Augsburg 1930.
  4. Schudt, Ludwig: Zwei wenig bekannte römische Stadtführer: Eine italienische Übersetzung der "Graphia aureae urbis Romae". In: Kunswissenschaftliches Jahrbuch der Görresgesellschaft, I-1928.


Editionsrichtlinien

Orthographie:

  1. Beibehalten werden:
  2. - die unterschiedlichen Schreibweisen von Wörtern mit Doppelkonsonanten und -vokalen, z.B. bei Dopplungen (cosa/cossa, nato/natto, opinione/oppinione, cimiteri/cimiterii, solo/sollo), sinnentstellende Einzelkonsonanten werden jedoch durch Doppelkonsonanten ersetzt, z.B. bei Konjunktivformen des Verbs (posa durch possa);

    - neben Konsonanten und Konsonantengruppen c, cc, g des modernen Italienischen die Varianten des Volgare (periculo/perichulo, ancora/anchora, luogo/luocho, rocca/rocha);

    - die Varianten uo-o (puoco/poco, puoi/poi);

    - die Wechselformen mit Vokalen u/o ( chusi/cosi);

    - das abwechselnde Auftreten von x/s in den Vokabeln (Cexare/Cesare, marchexe/marchese), ebenso wie z/c-Varianten (zimiterii/cimiterii, uzidere/ucidere), c/z (inance/inanze) und z/g (zente/gente) sowie beides in einem Wort z/c und x/s (azexa/accesa, Cesare/Zelare);

    - rätoromanische Übergangsvarianten t/d (imperadore/imperatore; nominate/nominade);

    - die üblichen lateinischen orthoepischen Rudimente in der Schreibweise der Edition parallel zu der italienischen Schreibweise (Diocliciano-Dioclitiano, provinzie-provincie, tenpo-tempo, Sampsone-Samsone);

  3. diakritische Zeichen werden nach Möglichkeit entsprechend dem modernen Italienischen eingesetzt (perche-perché, e-è, gia-già, nativita-natività, vo dicto-v'o dicto, chio-ch' io, auch bei perfetto remoto und futuro semplice - cacio-caciò, parturira-parturirà);
  4. alle "u"-Laute werden entsprechend der orthographischen Tradition der modernen Edition von lateinischen und italienischen MSS und Inkunabeln durch "v" dort ersetzt, wo im modernen Italienischen ein "v" vorkommt (auere/avere, aber segue);
  5. die für einen Frühdruck üblichen Verwechslungen von "u" und "n" werden mit <sic> markiert;

 

Lexik:

  1. die lexikalischen Vokabelvarianten des Originals, die von einem Übergang von der lateinischen Schreibweise in die Italienische bezeichnen, werden beibehalten (z. B. für "Kirche" - chiesia, chiexia, echlexia, giesia, giexie; für das Wort "Mann" - homo, huomo, uomo);
  2. die parallel zu italienischen Varianten auftretenden lateinischen Atavismen werden nicht korrigiert (presencte/presente, sancto/santo, perfecto/perfetto, iovani/giuovani, dicto/detto);
  3. zusammengesetzte Wörter werden nach den Regeln der modernen Syntax getrennt geschrieben (disopra-di sopra, elpallazo-el palazzo);
  4. die Zahlen werden in Minuskeln ohne Interpunktionszeichen geschrieben;
  5. die für diese Phase der Sprachentwicklung üblichen Artikelvarianten werden beibehalten (el/il, del/dil, della), allerdings werden die präpositionellen Artikel mit einem einfachen Konsonanten getrennt geschrieben (dela - de la, aber della);
  6. die Varianten der Adverbien werden beibehalten (denanzi/dinanzi/inanzi; ive/ivi/ibi);
  7. die mit einem Verb zusammengesetzten Artikel (z. B. ella) werden nicht korrigiert, wenn sie mit einem Doppelkonsonanten geschrieben werden;
  8. alle Verbformen, die von der sprachlichen Übergangsphase zeugen, werden beibehalten (fo/fu; furo/furono/fureno; ebbero/ebero);

 

Interpunktion:

  1. es wird die moderne Interpunktion angewandt, die bei den Ausgaben von lateinischen und altitalienischen Texten üblich ist;
  2. der Zeilenumbruch wird mit einem Trennzeichen markiert.

 

Texterklärungen und -verbesserungen:

  1. alle Zitate werden mit einem Quellenverweis versehen;
  2. eigentümliche Schreibweisen der Eigennamen und der Toponyme werden nicht durch eine moderne Schreibweise ersetzt und nicht in den Fußnoten erklärt;
  3. die einzigartigen und individuellen Monumentnamen werden nicht korrigiert;
  4. die falsch verwendeten Eigennamen und Toponyme werden mit <sic> markiert.
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