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Anonymus Mantuanus A

Die Zeichnungen des Anonymus Mantuanus A und die architektonische und antiquarische Kultur der europäischen Renaissance


Humboldt-Forschungsstipendium für Postdoktoranden (April 2017 bis März 2019)
Dr. Francesca Mattei (Politecnico di Milano)

Die Verbreitung der italienischen Kunst in Europa im Verlauf der Renaissance ist ein komplexes und problematisches Phänomen. Eine Klärung der Mechanismen, die zu dieser Verbreitung der italienischen Formensprache beitrugen, steht in Teilen noch aus. Die Zeichnungen des Anonymus Mantuanus A können in diesem Zusammenhang als ein besonders aussagekräftiges Fallbeispiel gelten. Unter den dem Anonymus zugeschriebenen Blättern sind zwei größere Konvolute auszumachen, die heute auf den Codex Fol. A 45 der Graphischen Sammlung im Schloss Wilhelmshöhe (Museumslandschaft Hessen-Kassel) und das Heemskerck-Album II im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin (inv. 79.D.2a) verteilt sind. Es handelt sich um 116 Blatt mit Antikenstudien und Aufnahmen von Bild- und Bauwerken des Cinquecento. Mithilfe der Analyse der Beischriften und der dargestellten Gegenstände können die Zeichnungen in die dreißiger und vierziger Jahre des 16. Jahrhunderts datiert werden, während die Identität des Anonymus Mantuanus A – ebenso wie seine Herkunft – eine offene Frage bleibt.

Bislang wurden die Zeichnungen der beiden Konvolute in erster Linie hinsichtlich ihrer Bezüge zur Antike untersucht. Das Projekt, das Francesca Mattei, gefördert durch ein zweijähriges Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung, am Census durchführt, wird sich dagegen auf diejenigen Teile konzentrieren, die der Kunst und der Architektur des Cinquecento gewidmet sind. Im Zentrum des Interesses stehen insbesondere die Bezüge zur Baukultur in Mantua zu der Zeit, als Giulio Romano als Architekt für Federico II. und Ercole Gonzaga tätig war. Eine Verbindung zum Hof in Mantua legen mehrere Indizien nahe: Die vom Zeichner verwendete Maßeinheit ist der braccio mantovano. Einige Blätter – insbesondere im Berliner Album – offenbaren einen direkten Bezug zu Giulio Romano, denn es handelt sich um Wiedergaben der von ihm entworfenen Palazzo Te und Palazzo Ducale. Sechs Berliner Blätter mit Architekturdarstellungen sind mit Zeichnungen im Codex Chlumczansky (Národní Galerie, Prag) verwandt, der sich ursprünglich im Besitz von Federico II. Gonzaga befand.

Ausgehend von der Untersuchung der Zeichnungen des Anonymus Mantuanus A zielt das Projekt darauf zu verstehen, auf welchen Wegen sich die Formensprache Giulio Romanos in Europa verbreitete, und bezieht dabei sowohl die Analyse ausgeführter Bauwerke – wie der Stadtresidenz Herzogs Ludwigs X. von Bayern in Landshut oder des Palasts Heinrichs III. von Nassau in Breda – ebenso ein wie das Studium der Sammlungskultur von Zeichnungen nördlich der Alpen.

Das Projekt wird gefördert durch ein Humboldt-Forschungsstipendium für Postdoktoranden der Alexander von Humboldt-Stiftung.

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