Anonymus Mantuanus A

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Die Zeich­nungen des Anonymus Mantuanus A und die archi­tek­to­ni­sche und anti­qua­ri­sche Kultur der euro­päi­schen Renaissance

Humboldt-Forschungs­sti­pen­dium für Post­dok­to­randen (April 2017 bis März 2018), Dr. Fran­cesca Mattei (Poli­tec­nico di Milano)

Die Verbrei­tung der italie­ni­schen Kunst in Europa im Verlauf der Renais­sance ist ein komplexes und proble­ma­ti­sches Phänomen. Eine Klärung der Mecha­nismen, die zu dieser Verbrei­tung der italie­ni­schen Formen­sprache beitrugen, steht in Teilen noch aus. Die Zeich­nungen des Anonymus Mantuanus A können in diesem Zusam­men­hang als ein beson­ders aussa­ge­kräf­tiges Fall­bei­spiel gelten. Unter den dem Anonymus zuge­schrie­benen Blät­tern sind zwei größere Konvo­lute auszu­ma­chen, die heute auf den Codex Fol. A 45 der Graphi­schen Samm­lung im Schloss Wilhelms­höhe (Muse­ums­land­schaft Hessen-Kassel) und das Heems­kerck-Album II im Kupfer­stich­ka­bi­nett der Staat­li­chen Museen zu Berlin (inv. 79.D.2a) verteilt sind. Es handelt sich um 116 Blatt mit Anti­k­en­stu­dien und Aufnahmen von Bild- und Bauwerken des Cinque­cento. Mithilfe der Analyse der Beischriften und der darge­stellten Gegen­stände können die Zeich­nungen in die drei­ßiger und vier­ziger Jahre des 16. Jahr­hun­derts datiert werden, während die Iden­tität des Anonymus Mantuanus A – ebenso wie seine Herkunft – eine offene Frage bleibt.

Bislang wurden die Zeich­nungen der beiden Konvo­lute in erster Linie hinsicht­lich ihrer Bezüge zur Antike unter­sucht. Das Projekt, das Fran­cesca Mattei, geför­dert durch ein zwei­jäh­riges Stipen­dium der Alex­ander von Humboldt-Stif­tung, am Census durch­führte, konzen­trierte sich dagegen auf dieje­nigen Teile, die der Kunst und der Archi­tektur des Cinque­cento gewidmet sind. Im Zentrum des Inter­esses standen insbe­son­dere die Bezüge zur Baukultur in Mantua zu der Zeit, als Giulio Romano als Archi­tekt für Federico II. und Ercole Gonzaga tätig war. Eine Verbin­dung zum Hof in Mantua legen mehrere Indi­zien nahe: die vom Zeichner verwen­dete Maßein­heit ist der braccio manto­vano. Einige Blätter – insbe­son­dere im Berliner Album – offen­baren einen direkten Bezug zu Giulio Romano, denn es handelt sich um Wieder­gaben der von ihm entwor­fenen Palazzo Te und Palazzo Ducale. Sechs Berliner Blätter mit Archi­tek­tur­dar­stel­lungen sind mit Zeich­nungen im Codex Chlumc­z­ansky (Národní Galerie, Prag) verwandt, der sich ursprüng­lich im Besitz von Federico II. Gonzaga befand.

Ausge­hend von der Unter­su­chung der Zeich­nungen des Anonymus Mantuanus A zielte das Projekt darauf zu verstehen, auf welchen Wegen sich die Formen­sprache Giulio Romanos in Europa verbrei­tete, und bezog dabei sowohl die Analyse ausge­führter Bauwerke – wie der Stadt­re­si­denz Herzogs Ludwigs X. von Bayern in Landshut oder des Palasts Hein­richs III. von Nassau in Breda – ebenso ein wie das Studium der Samm­lungs­kultur von Zeich­nungen nörd­lich der Alpen.

Anonymus Mantuanus A, Berlin, SMB-PK, Kupfer­stich­ka­bi­nett, inv. 79.D.2a, fol 8r

Das Projekt wird geför­dert durch ein Humboldt-Forschungs­sti­pen­dium für Post­dok­to­randen der Alex­ander von Humboldt-Stiftung