Ubi Erat Lupa
Ubi Erat Lupa
Bilddatenbank zu antiken Steindenkmälern, www.lupa.at
Die von Ortolf und Friederike Harl betreute Bilddatenbank Ubi Erat Lupa dokumentiert die geografische Verbreitung der römischen „Wölfin“ anhand einer kontinuierlich wachsenden Sammlung von Datensätzen zu den Steindenkmälern der antiken Welt. Mit ihrem Schwerpunkt auf Monumenten aus Stein und Marmor erfasst Lupa die dauerhaftesten materiellen Zeugnisse der antiken Geschichte, Kultur, Kunst und Gesellschaft. Die Datenbank vereint Skulpturen, Reliefs, Inschriften sowie Bauwerke. Wie auch die Census-Datenbank enthält sie zudem Informationen zur nachantiken Geschichte und Rezeption dieser Monumente. Lupa bietet Tausende von Fotografien antiker Objekte, die in Museen aufbewahrt werden (deren Depots den Harls häufig eigens zugänglich gemacht wurden), von antiken Denkmälern in der freien Landschaft sowie von Spolien, die in jüngere Gebäude eingefügt wurden.
Fotografien von herausragender Qualität zählen zu den besonderen Stärken der Lupa-Datenbank. Eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Lupa und Census bildete die Grundlage gemeinsamer Fotokampagnen, deren Ziel es ist, neue Aufnahmen antiker Objekte anzufertigen, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr fotografiert wurden oder derzeit unzugänglich sind (etwa weil sie sich in Depots befinden oder in Privatpalästen beziehungsweise Regierungsgebäuden aufbewahrt werden). Im Rahmen dieser Initiative fanden 2023 gemeinsame Kampagnen in Brescia, Bologna und Turin sowie 2025 in Rom statt. Im Februar 2025 erhielten die Datenbanken Census und Lupa die Genehmigung, die Antiken im Palazzo Giustiniani (Sitz des italienischen Senats), im Palazzo Barberini (Gallerie Nazionali di Arte Antica), in der Abtei von Grottaferrata sowie im Palazzo Farnese zu fotografieren.
Der Census und Ubi Erat Lupa sind in hohem Maße kompatible Datenbanken, die gemeinsam daran arbeiten, neue Ressourcen für ihre Datenbestände zu erschließen und für die wissenschaftliche Gemeinschaft bereitzustellen. Die im Rahmen der Zusammenarbeit identifizierten Überschneidungen haben sich als besonders fruchtbar erwiesen: Census bringt seine Stärken im Bereich der nachantiken Rezeption antiker Werke ein, während Lupa durch eine besondere Expertise zur Geschichte antiker Inschriften sowie zu den nördlich der Alpen und in Osteuropa erhaltenen antiken Steindenkmälern überzeugt. So konnten durch den Abgleich mit der Lupa-Datenbank mehrere antike Inschriften identifiziert werden, die bereits im Census verzeichnet waren. Dazu gehören unter anderem Inschriften aus Österreich und Slowenien, die dem Altertumsforscher Jean-Jacques Boissard bekannt waren und in dessen Codex Holmiensis (heute in der Königlichen Bibliothek Stockholm) dokumentiert sind. Mitte des 16. Jahrhunderts fertigte Boissard eine Zeichnung einer Grabinschrift in Celje an, die sich damals in der Kirche des heiligen Maximilian befand. In der Census-Datenbank galt diese Inschrift bislang als verschollen. Mithilfe der Lupa-Datenbank konnte sie jedoch als ein Objekt identifiziert werden, das sich noch heute in Celje befindet und nun im Pokrajinski Museum zu sehen ist. Diese Übereinstimmung liefert wertvolle Einblicke in Boissards Arbeitsweise, da seine Darstellung des Grabmonuments selbst kaum Ähnlichkeit mit dem antiken Original aufweist, im Gegensatz zur präzisen Transkription der Inschrift.
Dank der Lupa-Datenbank konnten neben diesem Beispiel weitere von Boissard dokumentierte Inschriften, die im Census bislang als verschollen geführt wurden (CensusID 160294, CensusID 160285, CensusID 160281 und CensusID 160298), mit heute erhaltenen Objekten im Pokrajinski Museum, im Archäologiemuseum Graz sowie auf der Grazer Burg identifiziert werden (wo zwei der Boissard bekannten Inschriften heute in die Mauern eingelassen sind). Diese Beispiele verdeutlichen, wie Lupa mit seiner umfassenden Erforschung steinerner Denkmäler in ganz Europa die Census-Datenbank bereichert und neue Erkenntnisse zur antiquarischen Rezeption der Antike in der Frühen Neuzeit ermöglicht.
Grabinschrift, die Jean-Jacques Boissard Mitte des 16. Jahrhunderts in der Kirche des heiligen Maximilian in Celeia sah und die sich heute im Pokrajinski Museum in Celje befindet. Fotografie von Ortolf Harl.
Jean-Jacques Boissard, Inschrift in der Kirche des heiligen Maximilian von Celeia (Celje, Slowenien), um 1559. Stockholm, Codex Holmiensis, fol. 153v (Detail).
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