TRANS­LATIO NUMMORUM

Start » Koope­ra­tionen » Trans­latio nummorum

Trans­latio nummorum – Die Aneig­nung der antiken Kultur durch Anti­quare der Renais­sance im Medium der Münzen

BMBF Verbund­pro­jekt, 2009–2012

Ziel dieses auf drei Jahre ange­legten wissen­schafts­his­to­ri­schen Projektes war es, in einer verglei­chenden Analyse ein Bild der antiken Kultur und Geschichte von 49 vor bis 96 nach Christus zu liefern, wie es die Gelehrten und Anti­quare der frühen Neuzeit aufgrund der antiken Münzen zeichneten.

Für dieses Projekt digi­ta­li­sierte das Kunst­his­to­ri­sche Institut in Florenz (KHI) große Teile der numis­ma­ti­schen Lite­ratur von Andrea Fulvio bis Fran­cesco Ange­loni und machte diese als “Digi­tales Corpus der anti­qua­ri­schen Lite­ratur zu antiken Münzen in der frühen Neuzeit” im Internet für weitere Forschungen frei zugäng­lich und recherchierbar.

Das Münz­ka­bi­nett Berlin steu­erte als größte Münz­samm­lung in Deutsch­land mit seinen Beständen die Origi­nale zu dem Projekt bei und ermög­lichte damit die Veri­fi­zie­rung der lite­ra­ri­schen Über­lie­fe­rung. Es bestimmte, beschrieb und foto­gra­fierte seinen Münz­be­stand von Caesar bis Domi­tian und stellte ihn im Inter­ak­tiven Katalog (IKMK) online. Im Census-Projekt erfolgte die Auswer­tung der vom KHI digi­ta­li­sierten Lite­ratur des 16. und begin­nenden 17. Jahr­hun­derts zu den antiken Münzen. Den Kern der Unter­su­chung bildeten die Emis­sionen der iulisch-clau­di­schen und flavi­schen Kaiser Roms. Die Münz­ab­bil­dungen und ‑beschrei­bungen der Anti­quare wurden in die Census-Daten­bank einge­bunden und die Daten­sätze mit den Voll­texten verlinkt. Den Renais­sance­dar­stel­lungen wurden die veri­fi­zier­baren antiken Münz­typen, für die sich großen­teils Belege im Münz­ka­bi­nett Berlin finden ließen, gegen­über­ge­stellt. Daran schloss sich die wissen­schaft­liche Auswer­tung über die Methoden der numis­ma­ti­schen Forschung in der frühen Neuzeit an.

Mit dem Projekt wurde sowohl ein Beitrag zur Erschlie­ßung der Geschichte des römi­schen Kaiser­rei­ches als auch des 16. Jahr­hun­derts geleistet und zudem die Vermitt­lung der antiken Vergan­gen­heit in der Renais­sance untersucht.

Durch die Schaf­fung des digi­talen Corpus der früh­neu­zeit­li­chen numis­ma­ti­schen Lite­ratur und der entschei­denden Erwei­te­rung der online zugäng­li­chen Daten­banken des Münz­ka­bi­netts und des Census wurde der Wissen­schaft enormes Mate­rial zur Verfü­gung gestellt, das die Bear­bei­tung weiter­füh­render Frage­stel­lungen auf dem Gebiet der Kunst­ge­schichte, der Numis­matik und der Archäo­logie anregt und ermöglicht.

Enea Vico, Omnium Caesarum veris­simae imagines: ex anti­quis numis­matis desumptae, 1554, Titelblatt

Kunst­his­to­ri­sches Institut in Florenz (Max-Planck-Institut)
Prof. Dr. Ales­sandro Nova, Direktor
Dr. Jan Simane, Leiter der Bibliothek

Münz­ka­bi­nett der Staat­li­chen Museen zu Berlin (Stif­tung Preu­ßi­scher Kultur­be­sitz)
Prof. Dr. Bernd Kluge, Direktor
Prof. Dr. Bern­hard Weisser, Kustos

Census of Antique Works of Art and Archi­tec­ture Known in the Renais­sance (Humboldt-Univer­sität zu Berlin)

Koor­di­na­tion: Dr. Ulrike Peter (Berlin-Bran­den­bur­gi­sche Akademie der Wissenschaften)

Das vom BMBF für drei Jahre geför­derte Verbund­pro­jekt im Rahmen der Ausschrei­bung “Über­set­zungs­funk­tion der Geis­tes­wis­sen­schaften” (Förd­er­kenn­zei­chen 01UB0908) wurde im März 2012 abgeschlossen